Wettbewerb „Wohnraum schaffen“, Niedersachsen 1. Preis

 

Die Leitidee

Der Entwurf „Gemeinsam statt einsam“ beschäftigt sich mit dem Schaffen von bezahlbarem Wohnraum. Mit Hilfe eines flexibel wandelbaren Prinzips reagiert das Konzept auf individuelle Anforderungen potentieller Nutzergruppen und Bauherren. Die Idee plädiert für eine starke Wechselwirkung zwischen interaktiven, gemeinschaftlichen und privaten Komponenten innerhalb der Gebäudestruktur.

Die Verortung

Als potentieller Ort dient ein Grundstück in Geismar, ein Stadtteil der niedersächsischen Studentenstadt Göttingen. Trotz peripherer Lage, kann es als ein innerstädtischer Standort gesehen werden. Die unmittelbare Nähe zu weitflächigen Naherholungsgebieten und die sehr gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr machen das Wohngebiet zu einem der beliebtesten und einwohnerreichsten Stadtteile.

Der Entwurf

Der durch die Treppe in zwei Gebäudeteile gegliederte Baukörper wird stark von seinem horizontalen Organisationssystem geprägt. Die markante Kommunikationszone, die als außenliegende Fläche gedacht ist, prägt nicht nur gemeinsame Abläufe innerhalb des Gebäudes, sondern präsentiert auch nach außen eine nachbarschaftliche Offenheit. Diese Zone wird durch eine Differenzierung seiner baulichen Ausformung spannend und lebhaft gestaltet. Vor- und Rücksprünge markieren Eingänge zu den Wohneinheiten, deren Privatheit nochmals durch bauliche Elemente unterstützt wird. Lufträume schaffen Distanzen zu dahinterliegenden sensiblen Räumen und verbessern die Belichtung der darunterliegenden. In der Kommunikationszone entstehen vielfältige Außenbereiche, die einerseits der persönlichen Aneignung und andererseits der Interaktion dienen können. Außenräume unterschiedlicher Qualität laden zum Aufenthalt ein. Von intimer Zurückgezogenheit bis zu offener Begegnung ist alles möglich. Die Nische, als Schwelle verstanden, verbindet den vorgelagerten Außenbereich mit dem privaten Wohnbereich.

Die innere Organisation bietet mit ihrer klaren und robusten Grundstruktur einer Vielzahl von Nutzern ein Zuhause. Mit vier übergeordneten Wohntypologien werden in diesem Vorschlag 21 Wohneinheiten geschaffen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Grund der Lage auf familiären Wohnprinzipien. Dabei bleibt der Grundgedanke des Wohnungsmix erhalten und Einheiten mit überschaubaren Größen finden ebenso Einzug.

Die Grundrisse folgen einem übergeordneten Raster. Dieses basiert auf der kleinstmöglichen Wohneinheit – die XS-Wohnung. Durch das Zusammenschalten von bis zu drei dieser Einheitsgrößen gelingt es Wohnflächenobergrenzen des geförderten Wohnungsbaus ohne Qualitätsabstriche zu unterschreiten.

Die Konstruktion

Die Prägnanz des Gebäudes liegt in der klaren Strukturierung von tragenden zu nichttragenden Elementen, standardisierten Einbau- und vorgefertigten Ausbauelementen. Nicht nur aus Gründen der Wirtschaftlichkeit sondern auch aus einem konzeptuellen Wohnprinzip heraus, liegen die tragenden Wände nicht auf jeder Achse des Ausbaurasters von 3.25 Meter. Die serielle Struktur der Schottenbauweise ermöglicht es durch einfache Eingriffe in die nichttragenden Bauteile Wohnungsgrößen und Strukturen zu verändern und macht das vorgeschlagene Prinzip besonders flexibel und nachhaltig. Des Weiteren ermöglicht die Vorfertigung von Wänden, Decken, Fenstern und insbesondere der Eingangselemente eine schnelle und vor allem horizontal und vertikal leicht erweiterbare Bauweise des Objektes. Um trotz der minimierten Wohnungsgrößen das Gefühl räumlicher Enge zu vermeiden, werden großzügige Glasfassaden eingesetzt, die sowohl im Innenraum als auch im Außenraum eine hohe Qualität erzeugen.

Die Außenwirkung

Die Fassade des Entwurfes wird unter anderem von Materialien wie Stahlbetonfertigteilen mit Sichtbetoncharakter, großflächigen Glasflächen mit dunkelgrauen Aluminiumrahmen und hölzernen Einbauelementen aus Fichte geprägt. Am stärksten tritt jedoch das Edelstahlgewebe hervor, welches sowohl als Absturzsicherung und auch als Trennelement innerhalb der Kommunikationszone dient. Zusätzlich ermöglicht es die Begrünung der verschiedenen Fassadenebenen mit Rankpflanzen und macht das Gebäude im Zusammenspiel mit den Holznischen für die Bewohner besonders gemütlich und attraktiv. Insbesondere die Ausgestaltung der Stirnseiten als vertikale Gärten erzeugt eine hohe Wertigkeit des Gebäudes und führt zu einer erhöhten nachbarschaftlichen Akzeptanz. Durch die verwendeten städtebaulichen Strategien und den sensiblen Umgang mit der Präsenz des vorgeschlagenen Konzeptes, wird nicht nur die gemeinschaftliche Wohnatmosphäre innerhalb des Gebäudes gestärkt, sondern auch die Begegnung der Bewohner und ihrer Anwohner angestrebt.

 

Gebäudeübergreifend wird für alle ein Beitrag für qualitativen Wohnraum geleistet. „gemeinsam statt einsam“

 

Comeptitionline:  http://www.competitionline.com/de/ergebnisse/227824

Deutsche Bauzeitschrift: http://www.dbz.de/artikel/dbz_Architekten_Problemloeser_und_Visionaere_Wettbewerb_Wohnraum_schaffen_2641962.html

Neue Presse:  http://www.neuepresse.de/Hannover/Meine-Region/Burgdorf/Nachrichten/Burgdorfer-Architekten-gewinnen-Preis